Frauke, Erzähle uns doch ein bisschen über dich und deine Farb- und Motivwelt
Hej, ich bin Frauke Sophie und ich male eigentlich schon immer. Malen ist für mich wie Essen und Trinken, ohne geht nicht. Eigentlich bin ich Stadtkind und nach über 20 Jahren in Großstädten wieder aufs Land gezogen. Hier wohne ich mit meinem Mann und unseren zwei Hunden in einem Schwedenhaus am Waldrand.
Mein Atelier ist direkt um die Ecke, mit Blick ins Grüne und ganz viel Ruhe. Das lieb ich sehr. Aktuell male ich überwiegend mit Öl und Acryl auf Leinwand, brauche aber auch immer wieder Buntstift- oder Aquarellmaltage. Meine Farbwelt ist lustiger Weise sehr knallig und poppig, meine Bilder sehr farbintensiv. Privat, ob Einrichtung oder Kleidung, bin ich skandinavisch schlicht und minimalistisch unterwegs.
Meine Motive beinhalten immer ein wenig Natur, Pflanzen und Vögel, denn ich beschäftige mich überwiegend mit Themen wie Klimawandel, Überkonsum und wie sich die Natur Stück für Stück ihren Lebensraum zurückerobert.
Wie würdest du deinen typischen Studioalltag beschreiben?
Mit Kaffee, Ingwertee im Thermobecher und unseren zwei Hunden geht es direkt morgens nach der ersten Gassirunde und dem Frühstück ins Atelier. Zu dieser Jahreszeit ist definitiv das Anschmeißen meiner Deckenheizung der nächste Schritt. Unsere Hunde werden warm eingemummelt und dann starte ich direkt. Meistens male ich bis mittags, dann folgt die Raubtierfütterung und unsere zweite große Gassirunde durch den Wald. Nach dem Mittag und mit zweitem Kaffee geht es dann für alle Vierbeiner und mich zurück ins Atelier. Bis späten Nachmittag male ich weiter. Diese Tagesstruktur habe ich inzwischen ganz gut verinnerlicht. Am Anfang ist es mir recht schwer gefallen, eine Routine zu entwickeln.
Wie gehst du damit um, wenn ein Bild mal nicht recht gelingen mag?
Wenn ich mal nicht zufrieden bin mit einer Arbeit, oder einem aktuellen Stand, lege ich eine kleine Buntstiftpause am Schreibtisch ein, male etwas freier, etwas abstrakter und versuche die Blockade so zu lösen. Manchmal stelle ich die Leinwand aber auch zur Seite bis ich wieder inspiriert bin, daran weiterzumalen. Übermalen tue ich selten etwas. Gleichzeitig arbeite ich meistens auch an anderen Bildern. Also bei kleinen Blockaden wechsele ich auch einfach ab und an die Leinwand. Das hilft immer.
Nimm uns doch mal mit auf eine Materialreise. Welche Materialien verwendest du am liebsten und Wie?
Eigentlich habe ich die letzten Jahre überwiegend mit Acrylfarbe von Amsterdam gemalt und lange gebraucht, mich an Ölfarben ran zutrauen, denn so richtig angekommen habe ich mich nie gefühlt. Bis ich die wasserbasierten Ölfarben von Cobra ausprobiert habe. Und ich muss sagen: Ich liebe sie. Es gibt eine tolle, kräftige, pigmentstarke Farbauswahl, sie lassen sich unheimlich gut mischen, sie riechen nicht und mittels Wasser kann man sie auch lasierend auftragen. Die Reinigung der Pinsel ist wirklich einfach und bedarf keines giftigen Reinigers. Auf Leinwand male ich seitdem fast ausschließlich mit den Cobrafarben. Im Vergleich zu den Acrylfarben ist Ölfarbe für mich ein Medium, um noch plastischer zu malen. Der leichte Glanz verleiht meinen Arbeiten noch mehr Tiefe und Plastizität.
Gibt es ein Werk, das dir besonders viel bedeutet? Warum hat es diese Bedeutung für dich?
Es gibt eine Buntstiftzeichnung aus Schulzeiten, ein Porträt eines Haubentauchers. Ich mag dieses kleine Bild sehr, denn es zeigt, was mich damals schon interessiert hat und mir wichtig war: Natur, Tierschutz und die Begeisterung für die Vogelwelt.
Generell mag ich aber alle meine Arbeiten, weil ich weiß, wieviel Arbeit und Herzblut darin steckt. Auf meine letzte Arbeit, ein Porträt von Caroline Mathilde, bin ich aber besonders stolz, weil es mein erstes Porträt ist und ich nicht gedacht hätte, dass es mir gelingt, geschweige denn wie eine echte Person aussieht.
Wie würdest du die Farbfamilie beschreiben, die du gerne nutzt?
Meine typische Malpalette ist sehr knallig und leuchtend. Ich mag die Kombination aus Rosa und Blau aktuell sehr. Selten verwende ich tatsächlich dunkle Rottöne oder eine mediterrane Farbpalette – dafür bin ich einfach zu sehr Nordlicht (ich komme ursprünglich von der Küste). Motivtechnisch findet man bei mir oft Stillleben oder szenische Motive, die immer Pflanzen und die Tierwelt integrieren. Wasser spielt auch eine große Rolle. Es dreht sich auf leicht surrealistische Weise immer ein wenig um Klimawandel und wie sich die Natur Lebensräume zurückerobert.
Drei schnelle Fragen, drei schnelle Antworten!
1. Wenn du nur noch mit einer Farbe arbeiten dürftest, welche wäre das?
Aktuell könnte ich mich zwischen einem satten Wassergrün und einem kräftigen kühlen rosa
nicht entscheiden.
2. Wenn du ein Kunstwerk als Cocktail mixen würdest – welche Zutaten kämen rein?
Viel Farbe, meine komplette Energie und Liebe, Natur und ein wenig Surrealismus.
3. Welches Lied läuft gerade am häufigsten in deinem Atelier?
Ich höre selten Musik beim Malen. Was gut funktioniert sind Sportsendungen, wie olympische Spiele oder Weltmeisterschaften. Die dudeln dann einfach im Hintergrund. Aber am liebsten mag ich es ruhig. Ich habe dann meine Schiebetür vom Atelier immer leicht geöffnet, so dass man den Wald und die Vögel hören kann. Nicht zu vergessen: Ein Hund schnarcht immer.
Das war ein schöner Besuch
Wir freuen uns, dass wir Frauke so genau über die Schulter schauen durften und so viele Eindrücke zu ihrer Arbeit und in ihr Atelier bekommen konnten. Auf unserem Blog findest du viele weitere Blogartikel rund um das Kreativsein. Du kannst dich außerdem zur Kreativpost anmelden – damit erhältst du unsere kreativen News direkt in dein E-Mail-Postfach.
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